Bundesbläserobmann Jürgen Keller informiert

Jagdschloss Kranichstein

 

 

Jagdschloss Kranichstein

 

Kaum ein Bereich des Lebens ist seit der Urzeit so untrennbar mit der Musik verbunden, wie die Jagd. Jäger und Jagdhorn gehören untrennbar zusammen. Um diesen schönen Brauch zu erhalten und zu fördern, finden  Im Schlosspark des Jagdschlosses Kranichstein  alle zwei Jahre der Hessische Landeswettbewerb und der DJV-Bundeswettbewerb im Jagdhornblsen statt. Etwa 2000 Jagdhornbläser aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland treten gegeneinander an, wetteifern um  Sieg und Meisterehren und spornen sich so gegenseitig zu Höchstleistungen an.  Der erste hessische Wettbewerb fand 1953 , der erste DJV Bundeswettbewerb 1961 statt. Seinerzeit ging es noch darum , die Jäger mit den wichtigsten Signalen, geblasen auf Fürst-Pless-Hörnern,  vertraut zu machen, die zur sicheren Durchführung einer Gesellschaftsjagd notwendig waren. Im Laufe der Jahre hat sich nicht nur das jagdliche Brauchtum, sondern auch das Jagdhornblasen dahingehend verändert, daß auch Parforcehörner in B eingesetzt werden und, neben dem Signalblasen,   auch jagdliche Kürstücke zum Repertoire jeder Bläsergruppen gehören. Dementsprechend vielfältig ist das Angebot an Notenmaterial. Beispielhaft seien hier die Handbücher der Jagdmusik in 9 Bänden von Reinhold Stief und 2 Bände von Professor Johann Hayden (Wien) "40 Jahre Jagdmusik in Österreich" genannt.

Kranichstein ist im Laufe der Zeit zum Mekka der Jagdhornbläser geworden. Der Hausherr des Jagdschlosses, die Stiftung Hessischer Jägerhof, unterstützt in dankenswerter und vorbildlicher Art und Weise die Durchführung der Wettbewerbe.

Auch das Es-Hornblasen ist fest etabliert. So fand 2005 in Regensburg der erste DJV-Bundeswettbewerb im Es-Hornblasen statt, der dann im 3-jährigen Turnus in wechselnden Bundesländern durchgeführt werden sollte. Folgende Es-Hornwettbewerbe fanden seither statt: 2008 Koblenz, 2010 Weimar, 2012 Harsewinkel, 2015 Kranichstein, 2017 Kranichstein. Infolge rückläufiger Teilnehmerzahlen in allen Wertungsklassen, wurden erstmals 2015 die Wertungsklassen A, G und Es zu einem Wettbewerb zusammengelegt und an einem Wochenende durchgeführt. So wird es zukünftig alle zwei Jahre einen Bundeswettbewerb im Es-Hornblasen geben. Das DJV-Präsidium hat im September 2015 beschlossen, den Standort Kranichstein als Austragungsort für die Durchführung der DJV-Bundeswettbewerbe beizubehalten und kein rotierendes Verfahren einzuführen.

Durch die Wettbewerbe haben die Gruppen eine enorme Leistungssteigerung erfahren. Das Bewertungssystem und die DJV-Bläserordnung wurden den Erfordernissen angepaßt, um insbesondere die Einheitlichkeit beim Jagdhornblasen in den einzelnen Bundesländern zu fördern. Das Jagdhornblasen in Deutschland wurde in der Aufbauphase seit Mitte der 50-er Jahre maßgeblich geprägt von Willi Friedl (HE) Reinhold Stief (BW), Totila Jericho (BW), Hildebrand Walther (BAY)  Walter Hermann (NDS), Hermann Neuhaus (NRW), Prof. Kemper (NRW) und Martin Freimut (NRW). Auf der Grundlage dieser Aufbauarbeit, fungieren die heute in den Landesjagdverbänden tätigen Landesobleute für das Jagdhornblasen und fördern, in gedeihlicher Zusammenarbeit mit den Vorständen und dem Deutschen Jagverband, die Erhaltung und Fortentwicklung dieses schönen Brauchtums.

Jagdhornmusik ist ein wunderbares Kulturgut, das Freude bereitet und Respekt verlangt. Bei aller Freude am Musizieren,  dürfen wir eines allerdings nicht übersehen: Jedes Musikinstrument hat seinen eigenen Platz und seine eigene Musik. Deshalb ist die Domäne der Jagdhornbläser das Naturhorn mit seinem unverwechselbaren Klang und seiner rhythmischen Vielfalt in der Thematik. Der Einsatz der Parforcehörner in B, wie z.B. in der Klasse G, ermöglichen es, bereits das einfachste Jagdsignal zur wohlklingenden Fanfare auszubauen. Wir sind keine "Grüne Blasmusik". Die Jagdsignale bilden nach wie vor die Grundlage jeglicher jagdmusikalischen Betätigung der Jäger, gefolgt von anspruchsvollen jagdlichen Kürstücken aller Schwierigkeitsgrade, die selbst für den geübten Bläser eine  große Herausforderung darstellen.  Jagdhornblasen darf nicht abgleiten zur reinen Musikbetätigung, sondern muß in den Händen der Jäger und mit dem forstlichen und jagdlichen Brauchtum fest verwurzelt bleiben. Nur so wird es  in unserer schnelllebigen Welt als eigenständige kulturelle Leistung der Jäger fortbestehen und weiter blühen und gedeihen. Dankbar müssen wir nicht nur all jenen sein, die diese Tradition über die Zeiten gerettet haben, sondern auch denjenigen, die sie heute aktiv leben und fortführen.

Wer anders möchte oder mehr, mag in einem Blasorchester, einer Big-Band oder einem Laien-Sinfonie-orchester mitspielen.

  

 

 

 

 

 

 

 

Jagdschloss Kranichstein